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Qigong

Image by Serenity Mitchell

Langsamheit und Entschleunigung im Qigong

Die meisten Bewegungen im Qigong sind bewusst langsam und fließend. Sie werden sanft, weich, ruhig und gleichmäßig ausgeführt – ohne Hast, ohne ruckartige Übergänge. Es ist, als würden wir mit einem unsichtbaren Pinsel Linien in die Luft malen. Diese Gleichmäßigkeit entsteht nicht sofort, sondern entwickelt sich erst durch regelmäßiges und achtsames Üben.

Ein Taiji-Meister beschrieb den Sinn der Langsamkeit so:
„Es ist, als würdest du mit einem Fahrrad über eine holprige Landstraße fahren. Wenn du langsam fährst, erkennst du jede Unebenheit und jedes Schlagloch. Prägen sich diese Stellen in dein Bewusstsein ein, kannst du später schneller fahren, ohne das Gleichgewicht zu verlieren – weil du genau weißt, wo die Gefahrenstellen sind.“

Mit beharrlichem Training gleichen wir nach und nach die „Unebenheiten“ in unseren eigenen Bewegungsmustern aus. So entstehen fließende, geschlossene Bewegungen, die innere Kraft entfalten.

Diese Kraft entspringt aus der Körpermitte – dem sogenannten Dantian – und breitet sich von dort in den gesamten Körper aus.

Durch die bewusste Langsamkeit öffnen wir einen Raum der Wahrnehmung: Wir spüren unsere Körperstruktur, erkennen Spannungsmuster in Muskeln und Faszien, beobachten unseren Atem und den Zustand unseres Geistes. Gleichzeitig sensibilisieren wir uns für den Fluss der Lebensenergie, das Qi.

In einer Zeit, die von Hektik, Beschleunigung und permanenter Reizüberflutung geprägt ist, wird der Begriff Entschleunigung immer bedeutsamer. Qigong bietet hier einen wirksamen Weg: Die langsamen Bewegungen wirken wie ein Gegenpol zum hektischen Alltag. Stress, Nervosität und Unruhe können sich allmählich lösen und in Gelassenheit und innere Klarheit verwandeln.

Mit jeder bewussten, langsamen Bewegung kommen wir mehr bei uns selbst an. Wir üben nicht nur Bewegungen – wir kultivieren Achtsamkeit, Präsenz und innere Ruhe.

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